Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem Klavier und können eine komplizierte Melodie spielen, ohne zu wissen, wie man Noten liest oder überhaupt dieses Instrument spielt. So oder so ähnlich funktioniert Low-Code/No-Code-Entwicklung (LCNC). Jahrzehntelang wurden für die Entwicklung von Softwareanwendungen Fachleute benötigt, die Programmiersprachen kennen und komplexen Code von Grund auf schreiben konnten. Doch mit der wachsenden Nachfrage nach kundenspezifischen Softwarelösungen – und der zunehmenden Überlastung von IT-Teams – konzentrierten sich Unternehmen darauf, weniger spezialisierte, weniger komplizierte Wege zu finden, um diesen wachsenden Bedarf an Apps zu decken.
Hier kommt die Low-Code- und No-Code-Anwendungsentwicklung ins Spiel. Diese eleganten Lösungen wurden entwickelt, um einen visuell einfachen und intuitiven Drag-and-Drop-Ansatz für die Anwendungserstellung zu bieten, ohne dass Kenntnisse beim Codieren und bei Programmiersprachen erforderlich sind.
Low-Code/No-Code sind Software-Entwicklungsmethoden, mit deren Hilfe Benutzern Anwendungen mit visuellen Schnittstellen, vorgefertigten Komponenten und Drag-and-Drop-Tools erstellen können. Dies ermöglicht nicht-technischen Benutzern die Entwicklung von Anwendungen – und beschleunigt und rationalisiert den Prozess auch für erfahrenere IT-Spezialisten.
Low-Code-Plattformen bieten eine Mischung aus visueller Programmierung und herkömmlichem Codieren. Entwickler können Anwendungen mit Skripten, APIs und Integrationen anpassen und den Entwicklungsprozess durch vorgefertigte Komponenten beschleunigen.
No-Code-Tools verwenden einen vollständig visuellen Ansatz, der es Benutzern ermöglicht, Anwendungen mit vorkonfigurierten Vorlagen und logikbasierten Workflows zu erstellen – ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben.
Ein Citizen Developer ist ein fachunkundiger Benutzer, der Anwendungen mithilfe von LCNC-Plattformen erstellt. Diese Personen benötigen keine formalen Codierkenntnisse, werden aber als „Entwickler“ bezeichnet, da sie Anwendungen mithilfe von LCNC-Tools selbstständig oder mit geringfügiger IT-Unterstützung erstellen können.
Steve Jobs hat einmal gesagt: Etwas einfach aussehen zu lassen erfordert viel harte Arbeit. Der Sinn von LCNC-Tools besteht darin, die Anwendungsentwicklung aus der Sicht des Erstellers einfacher und intuitiver zu gestalten. Um dieses Maß an Komfort zu erreichen, müssen jedoch viele fortschrittliche Technologien nahtlos zusammenarbeiten. Dazu gehören:
Low-Code-/No-Code-Plattformen ermöglichen es Teammitgliedern mit spezialisiertem Fachwissen, sich an der Entwicklung der richtigen Anwendungen mit den richtigen Funktionen und Merkmalen zu beteiligen. Anstelle eines unablässigen Staffellaufs, bei dem man immer wieder versucht, die speziellen Bedürfnisse und Nuancen an einen IT-Spezialisten zu vermitteln, können die Mitarbeiter, die ihre Abteilungen am besten kennen, dafür sorgen, dass sie die richtigen Apps für ihre Zwecke erhalten.
Durch die Verlagerung alltäglicher, repetitiver Entwicklungsaufgaben auf Citizen Developer können IT-Teams ihr Fachwissen auf hochwertige, strategische technische Arbeiten konzentrieren. Dies reduziert Kosten und Verzögerungen.
Wenn nicht-technische Fachleute in der Lage versetzt werden, selbst Apps zu entwickeln, werden langwierige Briefings und Kommunikationszyklen minimiert. So können neue Apps schnell und genau eingeführt werden.
LCNC führt Unternehmensnutzer und IT auf einer einheitlichen Plattform zusammen. Dies erleichtert es ihnen, Anwendungen gemeinsam in Echtzeit zu gestalten, zu entwickeln und zu verfeinern, sodass sichergestellt ist, dass die Lösungen den Geschäftsanforderungen entsprechen.
LCNC-Plattformen vereinfachen die laufenden Änderungen und Aktualisierungen. Benutzer können Workflows, Felder oder Integrationen ohne intensives Codieren schnell anpassen. Das ermöglicht eine schnelle Anpassung an neue Anforderungen oder Bedingungen.
Obwohl beide Varianten demselben Zweck dienen, die Entwicklung zu vereinfachen und zu rationalisieren, haben Low-Code und No-Code jeweils einige unterschiedliche Merkmale und Zwecke.
| Merkmal | Low-Code-Entwicklung | No-Code-Entwicklung |
|---|---|---|
| Benutzer | Entwickler und technikaffine Benutzer | Unternehmensnutzer ohne Codiererfahrung |
| Anpassung | Ermöglicht Skripting und Integration mit anderen Systemen | Beschränkt auf vorgefertigte Vorlagen und Workflows |
| Komplexität der Anwendungen | Kann Apps auf Unternehmensebene mit tiefgreifender Anpassung verarbeiten | Ideal für einfache Apps wie Formulare, Dashboards oder Aufgabenmanager |
| Anwendungsfälle | Geschäftsprozessautomatisierung, datenintensive Anwendungen, API-Integrationen | Einfache interne Tools, Workflow-Automatisierung, Kundenservice-Chatbots |
Codefreie Tools entwickeln sich rasant weiter und werden für eine wachsende Bandbreite an Geschäftsprozessen und Abläufen relevant. Hier sind einige der häufigsten Anwendungsfälle:
Überall gibt es unzählige sich wiederholende Verwaltungsaufgaben, von Finanzwesen und Lohnbuchhaltung bis zu HR, Marketing und Supply Chain Operations. Statt sie mit endlosen E-Mails und Tabellenkalkulationen zu bearbeiten, können Ihre Teams mit LCNC-Tools interne Apps erstellen, die genau auf ihren Zweck zugeschnitten sind.
Immer häufiger stellen Unternehmen fest, dass eine einheitliche CRM-Lösung nicht flexibel genug ist, weshalb sie LCNC zur Erweiterung der CRM-Funktionen einsetzen. Damit können Benutzer Arbeitsabläufe anpassen, Nachverfolgungen automatisieren und Leads verfolgen – ohne auf IT-Teams zugreifen zu müssen.
Viele Unternehmen sind dabei, auf vollständig cloudbasierte Systeme umzustellen. Doch in der Übergangszeit helfen Low-Code-/No-Code-Tools, die Funktionalität zu erweitern, Arbeitsabläufe zu automatisieren und die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern. So können Sie in jeder Phase Ihrer digitalen Transformation wettbewerbsfähig bleiben.
Zunehmend benötigen Sie benutzerdefinierte Berichts-Dashboards, die Daten aus verschiedenen Quellen abrufen. Statt darauf zu warten, dass die IT-Abteilung eine erstellt, können Ihre Teams Low-Code-/No-Code-Tools verwenden, um Datenbanken zu vernetzen, Visualisierungen zu erstellen und Berichte schnell zu teilen.
Während Low-Code- und No-Code-Plattformen Tempo und Effizienz bieten, müssen Sie bei der Implementierung im großen Maßstab aber einige potenzielle Herausforderungen berücksichtigen. Nachfolgend finden Sie vier wichtige Überlegungen und Strategien zu deren Bewältigung.
Während LCNC-Plattformen sich bei der Optimierung von Workflows und der Automatisierung von Aufgaben auszeichnen, können sie mit hochkomplexen Anwendungen zu kämpfen haben, die tiefgreifende Systemintegrationen, fortschrittliche Logik oder eine leistungsstarke Verarbeitung erfordern. In diesen Fällen kann eine herkömmliche Entwicklung erforderlich bleiben. Wenn Sie beispielsweise versuchen, komplexe Risikobewertungen zu automatisieren, werden Sie möglicherweise feststellen, dass eine Low-Code-/No-Code-Plattform schnell Workflows und Dashboards erstellen kann, aber eine kundenspezifische Entwicklung für fortschrittliche Datenmodellierung oder regulatorische Compliance-Regeln weiterhin erforderlich ist.
Lösung: Um Skalierbarkeit zu gewährleisten, können Sie einen hybriden Ansatz verfolgen, der Low-Code/No-Code für eine schnelle Entwicklung verwendet und gleichzeitig traditionelle Codierung integriert, wenn eine tiefergehende Anpassung erforderlich ist. Auf diese Weise können Ihre Geschäftsanwender schnell funktionale Lösungen entwickeln, während die IT-Teams leistungsintensive oder geschäftskritische Anwendungen bearbeiten.
LCNC-Plattformen abstrahieren einen Großteil des Entwicklungsprozesses, was zu einem Mangel an Transparenz bei Sicherheitskonfigurationen, Zugriffskontrollen und Datenverarbeitungsverfahren führen kann. Wenn dies nicht sorgfältig verwaltet wird, können unbefugte Benutzer Zugang zu sensiblen Daten erlangen oder Compliance-Lücken in regulierten Umgebungen auftreten. Beispielsweise können Sie ein Self-Service-Kundenportal mit einem No-Code-Tool bereitstellen, aber ohne strenge rollenbasierte Zugriffskontrollen könnten sensible Kundendaten versehentlich Benutzern zugänglich gemacht werden, die keinen Zugriff haben sollten.
Lösung: Unternehmen sollten sich für LCNC-Plattformen auf Unternehmensniveau entscheiden, die standardmäßig bewährte Sicherheitsverfahren wie integrierte Verschlüsselungs-, Authentifizierungs- und Compliance-Überwachungstools enthalten. Darüber hinaus sollte die IT-Abteilung klare Sicherheitsrichtlinien festlegen, damit die von Geschäftsanwendern entwickelten Anwendungen den unternehmensweiten Datenschutzstandards entsprechen.
Mithilfe von LCNC-Plattformen können Teams Apps entwickeln, die genau ihren speziellen Bedürfnissen entsprechen, aber ohne einen klaren Rahmen kann es zu einem App-Wildwuchs kommen. Wenn es zu viele individuell angepasste Lösungen gibt, kommt es zu Überschneidungen, Ineffizienzen oder inkonsistenten Benutzererlebnissen. Geteilte LCNC-Plattformen ermöglichen eine reibungslose Teamzusammenarbeit – aber nur, wenn die Menschen sie nutzen. Sie müssen weiter darauf achten, dass Richtlinien und klare Kommunikationsprotokolle vorhanden sind.
Lösung: Die Aufstellung von Governance-Richtlinien für LCNC bietet die Gewähr, dass Anwendungen skalierbar, sicher und an der Unternehmensarchitektur ausgerichtet sind. Durch die Bereitstellung vorab genehmigter Vorlagen, bewährter Integrationsverfahren und Benutzerrollenkontrollen können Unternehmen das richtige Gleichgewicht zwischen Innovation und Konsistenz finden, und zugleich können die Teams Lösungen effizient entwickeln, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Citizen Developer können ihre Apps versehentlich mit Funktionen ausstatten, die zu langsamen Ladezeiten, redundanten Abfragen oder Skalierbarkeitsproblemen führen, wenn die Nutzung zunimmt. Beispielsweise könnte ein Benutzer eine interne Reporting-App erstellen, die große Datensätze abruft, ohne Abfragen zu optimieren, was zu einer unnötigen Belastung der Systemressourcen führt. Mit der Zeit können sich diese Effizienzverluste akkumulieren und die Gesamtleistung des Systems beeinträchtigen.
Lösung: Um die Leistung aufrechtzuerhalten, sollten IT-Teams Richtlinien und Best Practices für die Datenverarbeitung, Prozessoptimierung und Lastverteilung innerhalb von LCNC-Tools bereitstellen. Viele LCNC-Plattformen für Unternehmen bieten Tools zur Leistungsüberwachung. Die Nutzung dieser Tools gewährleistet, dass die Anwendungen effizient, skalierbar und für die Anforderungen des Unternehmens optimiert sind.
Während Unternehmenslösungen das Rückgrat für kritische Geschäftsfunktionen bilden, können Low-Code-/No-Code-Plattformen Ihren Teams zusätzliche Flexibilität bieten, um Herausforderungen schneller zu bewältigen. So steigert LCNC die Leistung in einigen zentralen Sektoren:
Die Automobilindustrie ist in einer regulierten globalen Lieferkette tätig, die mit Störungen, Compliance und sich ändernden Anforderungen konfrontiert ist. LCNC ermöglicht schnelle Workflow-Anpassungen, eine interne Tool-Erstellung und optimierte Freigaben – ohne lange Entwicklungszyklen.
Distributoren müssen Nachfrageschwankungen, Lieferantenvielfalt und sich ändernde Erwartungen meistern. LCNC ermöglicht schnelle Prozessanpassungen, die Automatisierung repetitiver Aufgaben und optimierte branchenspezifische Arbeitsabläufe, wodurch der Bedarf an IT-Ressourcen gesenkt wird.
Lebensmittel- und Getränkehersteller müssen die Rückverfolgbarkeit, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und die Transparenz der Lieferkette inmitten von Marktveränderungen steuern. LCNC-Plattformen können dabei helfen, interne Prozesse flexibel anzupassen, vielfältige Datenquellen zu integrieren und schnell auf neue Bestimmungen zu reagieren.
Modemarken bringen schnell Kollektionen auf den Markt, verwalten komplexe Lieferketten und setzen Nachhaltigkeitsinitiativen um. Mithilfe von LCNC können sie interne Prozesse rationalisieren, sich schnell an sich ändernde Compliance-Anforderungen anpassen und die Zusammenarbeit mit Partnern verbessern.
Die Fähigkeit, die Anwendungsentwicklung zu demokratisieren, ist ein spannender und ermutigender Fortschritt. So können Sie Ihre kompetentesten Fachmitarbeiter direkt in die Erstellung Ihrer wichtigsten Unternehmens-Apps einbinden. Darüber hinaus können Ihre IT-Experten sich tatsächlich nur mit IT-Fragen beschäftigen, statt als Auftragsverarbeiter zu dienen, die von Hunderten (oder Tausenden) Serviceanfragen für diese oder jene kleine Änderung ausgebremst werden. Dank LCNC können die Entwickler und Programmierer sich wirklich in das vertiefen, was sie am besten können: Innovation und Verfeinerung Ihrer komplexesten Anwendungen und Optimierung Ihrer Systeme für eine wettbewerbsfähigere Zukunft.
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